MARTIN DONAT

Landratskandidat für Lüchow-Dannenberg

Tanzen verboten?

Am 22. Juni veranstaltete die gesichert rechtsradikale AfD auf dem Marktplatz in Lüchow einen sogenannten „Bürgerdialog“.

Ein Bündnis aus Omas gegen Rechts, DGB, SPD, den Grünen, der Bürgerliste, der Linken, der UWG, den Jusos und natürlich auch der SOLI riefen dagegen zu einer Kundgebung für Demokratie und Vielfalt, Toleranz und unser Grundgesetz auf.

Der Redner der AfD, der bei Rechtsextremen beliebte Serge Menga kongolesischer Herkunft, fragte die Demonstrierenden für Demokratie, ob sie denn einen schwarzen Nazu kennen würden. Leider konnte er meine Antwort nicht hören: „Beispielsweise Idi Amin“. Allein die Vorstellung, ein Mensch sei aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe oder anderer unveränderlicher, äußerer Merkmale ein besserer oder schlechterer Mensch ist eigentlich die Definition von Rassismus. Natürlich gibt es auch innerafrikanischen Rassismus. Der furchtbare Völkermord in Ruanda, in der Nachbarregion der Herkunft Herrn Mengas, legt ein erschütterndes Zeugnis davon ab.

Hautfarbe schützt eben nicht vor Hass, Menschenfeindlichkeit und Rassismus…

Im Rahmen dieser beiden Kundgebungen führte die anwesende Polizei Lärmpegelmessungen durch und versuchte mit einem Mal, der Gruppe Xamba die Strassenmusik zu untersagen oder sie zumindest einzuschränken. Sie hielten dabei ihr Dezibelmeter unmittelbar auf die großen Trommeln und behaupteten, der zulässige Pegel von 80 Dezibel sei überschritten. Die Lautsprecheranlage der AfD maßen sie dagegen seitwärts aus über 25 Meter Entfernung und mit zwei geparkten Bussen und zwei Infozelten dazwischen.

Als Repräsentant einer der aufrufenden Organisationen versuchte ich einen Beamten davon zu überzeugen, dass ihre Messung nicht objektiv sei. Unmittelbar neben der großen Trommel stehend vermochte ich den 30 Meter entfernten Redner der AfD (bedauerlicher Weise) frontal immer noch deutlich durchzuhören. Letztlich ließ die Polizei von ihrem Ansinnen ab, die Lebensfreude der demokratischen Vielfalt zu unterbinden. Wie ich aber mitbekam, übte die Intervention der Polizei erheblichen Druck auf die Anmelder der Kundgebung für Demokratie aus.

Seitdem ich denken kann, werden wendländische Proteste und Kundgebungen von der großartigen Sambagruppe Xamba begleitet. Es handelt sich hier keineswegs um „kulturelle Aneignung“, sondern im besten Sinne um wendländische Volxmusik!

Nun möchte ich unserer Polizei keineswegs unterstellen, einseitig Position für die gesichert Rechtsradikalen und gegen eine pluralistische Kundgebung für die Demokratie und unser Grundgesetz ergriffen zu haben. Aber das Erlebte zeigt doch, wie leicht der objektive Blick aus dem Fokus zu geraten vermag.

Ein derartiges Engagement der Polizei für das Versammlungsrecht, das Demonstrationsrecht und Recht auf Redefreiheit habe ich in den Jahrzehnten des Castorwiderstandes auch schmerzlich vermisst.

Wenn wir nicht tanzen können, dann ist es nicht unsere Revolution!